Solidarität mit der italienischen Gemeinde Riace in Freiburg

Pressemitteilung 10.11.2018  – Schafft mehr Solidarity Cities!

Heute fand in Freiburg eine Kundgebung von der Initiative Solidarity City Freiburg in Solidarität mit der italienischen Gemeinde Riace statt. „Solidarität mit Riace“ und „Hände weg von Riace“ waren die zentralen Forderungen bei der Demo. Zahlreiche Menschen haben sich auf dem Rathausplatz versammelt. Die Vertreterin Janika Kuge von der Initiative Solidarity City sagte: „Alle sprechen von einem Rechtsruck und zur Rückkehr des Nationalismus. Alle? Wirklich alle? Nein! Ein kleines Dorf in Süditalien leistet Widerstand! Nur das kleine Dorf? Nein! In vielen Städten und Dörfern Europas, Südamerikas, Kanadas und den USA regt sich Widerstand!“ Sie alle setzen sich für solidarische Städte ein. Auch in Freiburg. Lasst uns heute zeigen, dass wir ein anderes Europa wollen! Lasst uns zeigen, dass wir gemeinsam für ein anderes Europa einstehen! Ein Europa der Solidarität!

Roberto Alborino und Fausta Carli verurteilten die aktuelle italienische Regierungspolitik und riefen zur Solidarität auf. Alborino hat sich gegen das Dekret von Salvini ausgesprochen, das neue restriktive Sammellager für Geflüchtete und Kürzungen bei den Zuwendungen in Italien vorsieht. Auch die Erlangung der italienischen Staatsbürgerschaft soll erschwert werden. Weiterhin hat er sich dagegen ausgesprochen, dass Kinder von Geflüchteten in der Schule nicht von kostenlosen Schulessen ausgeschlossen werden, wie dies in der italienischen Gemeinde Lodi der Fall war.

Fausta Carli ging auf die Geschichte der Gemeinde Riace ein. Nach der Ankunft von Geflüchteten vor zwanzig Jahren gründete Lucano mit anderen Persönlichkeiten aus der Gegend den Verein „citta futura“. Die „politica dell’accoglienza“ wurde dadurch Praxis: Die Migranten, die in Riace blieben renovierten die leerstehenden Häuser, erst für sich selbst, dann für diejenigen, die später kommen würden; die Terrassierungen um das Dorf herum wurden rekultiviert und Werkstätten eingerichtet. Diese kleinen Produktionswerkstätten sind eine Weberei, eine Glaserei, eine Korbwerkstatt und ein Dorfladen mit heimischen Agrarprodukten. Das Restaurant im Dorf „Donna Rosa“ wird von Migranten betrieben. Die dortige Schule kann künftig 20 weitere Kinder aufnehmen, die in den letzten Jahren dort geboren wurden. Ein Arzt eröffnete im Dorf eine Praxis. Aus der „politica dell’accoglienza“ ist so eine „prassi della convivenza“ entstanden. Viele müssen allerdings wegen fehlender staatlicher Unterstützung das Dorf verlassen obwohl sie in Riace angekommen sind und sich dort wohl fühlen.

Grußworte in italienischer Sprache hier als Dokument Il saluto di Mimmo Lucano Sindaco di Riace ai manifestanti e ai cittadini di Friburgo.

Der suspendierte Bürgermeister Domenico Lucano von Riace, der sich aktuell bei der Demonstration in Rom aufhält, schickte um 12.30 Uhr eine kurze Videobotschaft an die Demonstration und bedankte sich für die Solidarität. In einem Schreiben, das er nach Freiburg schickte erinnerte er an die dunklen Zeit und Folgen des Faschismus und rief dazu auf, dass sich das in Europa nicht wiederholen darf.

Stadträtin Monika Stein von den Grünen Alternativen Liste sprach für die JPG-Fraktion im Freiburger Gemeinderat. Sie sagte: „Im OB-Wahlkampf habe ich mich dafür ausgesprochen, dass Freiburg eine Solidarity City werden soll – wie unsere Partnerstadt Madison in den USA und Riace ist.“ Sie solidarisierte sich mit Riace und dem Bürgermeister, wies gleichzeitig daraufhin, dass auch in Freiburg mehr gemacht werden kann. Sie wandte gegen die horrenden Gebühren die Geflüchtete bei einer Unterbringung in Sammelunterkünfte bezahlen müssen. Sie forderte den Abbau bürokratischen Hürden, dass Familien endlich zusammen kommen können und in Sicherheit und Ruhe ihr Leben hier gestalten können. Die rechtliche Grundlagen sind gegeben. Wir brauchen generell einen starken Gemeinderat mit einer klaren Linie gegenüber Geflüchteten. Sie verurteilte jeden Abschiebepopulismus und sprach sich für eine solidarische Gesellschaft aus.

Der Stadtrat Ergün Bulut für die Unabhängige Liste Freiburg rief dazu auf der wachsenden Gefahr von nationalistischer und rassistischer Politik gemeinsam und entschlossen zu antworten. Er solidarisierte sich mit der Gemeinde Riace und dem Bürgermeister.

Gianfranco Rizzuti, Referent der katholischen Arbeitnehmerseelsorge Bodensee-Hohenzollern sagte in seiner Rede, dass „Riace ein Leuchtturm geworden ist der jetzt ausgeschaltet werden soll. Das darf nicht geschehen und deshalb wollen wir hier und heute unsere Solidarität mit Riace zum Ausdruck bringen.“ Der Bürgermeister von Riace sagte immer: „Wir wollten einfach Menschen in Schwierigkeiten helfen. Wir wollten menschlich bleiben und das haben wir getan, nicht mehr und nicht weniger. Wir sind einfache Leute.“, so Rizzuti. Wenn Mauern an den Grenzen hochgezogen werden, dann ist das nicht unser Europa. Deshalb ist es wichtig, solidarisch mit Riace zu sein, aber solidarisch mit Riace zu sein, bedeutet auch, für ein gerechtes und offenes Europa und für die Demokratie zu kämpfen. Riace ist ein Modell für unser Europa.

Vor dem italienischen Konsulat in Freiburg wurde ein offener Brief an die Senatspräsidentin Maria Elisabetta Alberti Casellati, den Präsident der italienischen Abgeordnetenkammer Roberto Fico und an den Ministerpräsident Giuseppe Conte verlesen und übergeben. „Der Hausarrest von Mimmo Lucano, sein Aufenthaltsverbot in Riace sowie die Vorwürfe, die gegen ihn erhoben werden, empören uns. Er ist angeklagt wegen eines „Verbrechen“ gegen die Humanität und Solidarität. Wir sind zuversichtlich, dass die Staatsanwaltschaft diese Anklage für nichtig erklären wird.“, heißt es in dem Brief. Die Regierung wird dazu aufgefordert, dass die italienische Regierung sämtliche Gelder die nach dem SPRAR-Projekt Riace zustehen, schnellstens ausbezahlt werden. Offener Brief in italienischer Sprache. Offener Brief in deutscher Sprache.

Ebenfalls gab es einen kurzen Beitrag zur Migranten Karawane in Mittelamerika.

Es ist uns bei der heutigen Demonstration ein Anliegen auf die Ereignisse, d.h. die Karawane in Mittelamerika aufmerksam zu machen. Es gilt diesen Menschen beizustehen und für ein menschenwürdiges Gesellschaftssystem einzutreten, dass ein gleiches und gerechtes Miteinander garantiert. Solidarität darf nicht an Stadt, Landes oder Kontinentgrenzen enden. In Freiburg ist hierfür die Solidarität mit Wiwili, das im Norden von Nicaragua nur 20km von der Grenze zu Honduras entfernt liegt gelebtes Beispiel. In diesem Sinn fordern wir die Grenzöffnung für die Karawane und sprechen von Freiburg unsere Solidarität mit der Karawane aus!

Solidarity City Freiburg

Initiative Solidarity City Freiburg

https://solidarity-city.eu/de/

https://www.freiburger-forum.net/solidarity-city/

freiburg@solidarity-city.eu

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